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Fuellwoerter

Füllwörter: Unnötiger Ballast, den du am besten aus deinen Texten bannst

Wenn du mir folgst, dann liest du es regelmäßig: Vermeide Füllwörter - und zwar um jeden Preis. Mein Mantra schwirrt dir hoffentlich täglich durch den Kopf.

Wieso ist mir das so wichtig?
Nutzt du Füllwörter, ist es schwerer, dich zu verstehen. Dein Text ist anstrengend und holpert, im schlimmsten Fall liest ihn niemand bis zum Ende.
Es ist schwer, seinen Schreibstil in kurzer Zeit zu ändern. Daher empfehle ich dir: Schreib deinen Text wie gewohnt. Ist er fertig, folgst du den „5 Tricks, mit denen du kinderleicht deine Texte kürzt und überarbeitest“.
Denk immer daran: Schreibst du klar, motivierst du zum Weiterlesen. Darum setzt du den Rotstift an und löscht Füllwörter!
Gern zeige ich dir, wie du besser schreibst. Bei meinem Texttraining fokussiere ich mich nur auf dich und deine Bedürfnisse!

Zum Ende ein Hinweis: Die mit einem * versehenen Wörter stammen aus einer Liste von Goethe. Er veröffentlichte diese, mit selben Zweck, 1817 in seiner Zeitschrift "Ober Kunst und Altertum" (Heft 3, S. 52–54).

Die ultimative Füllwörter-Liste

A

aber*
abermals
allein
allem Anschein nach
allemal
allenfalls
allenthalben
aller-
allerdings
allesamt
allzu
also
alt
am Ende des Tages
an sich
andauernd
andererseits
andernfalls
anscheinend
auch
auffallend
aufs Neue
augenscheinlich
ausdrücklich
ausgerechnet
ausnahmslos
außerdem
äußerst

B

bei weitem
beinahe*
bekanntlich
bereits
besonders
bestenfalls
bestimmt
bloß

D

dabei
dadurch
dafür
dagegen
daher
damals*
danach
dann und wann
demgegenüber
demgemäß
demnach
denkbar
denn
dennoch
des Öfteren
des Ungeachtet
deshalb
deswegen
doch
durchaus
durchweg

E

eben
echt
eigentlich
ein bisschen
ein wenig
einerseits
einfach
einige
einigermaßen*
einmal
endlich
ergo
erheblich
etliche
etwa
etwas

F

fast*
folgendermaßen
folglich
förmlich
fortwährend
fraglos
freilich

G

ganz
ganz gewiss
ganz und gar
gänzlich
gar
gelegentlich
gemeinhin
genau
gerade
geradezu*
gesagt
gewiss
gewissermaßen*
gewöhnlich
glatt
gleichsam
gleichwohl
glücklicherweise
gottseidank
größtenteils
grundsätzlich

H

halt
häufig
hervorragend
hie und da
hier und da
hingegen
hinlänglich
höchst
höchstens

I

ich glaube
ich sage mal
im Allgemeinen
im Endeffekt
im Prinzip
immer
immerhin
immerzu
in aller Deutlichkeit
in der Regel
in der Tat
in diesem Zusammenhang
in etwa
in gewisser Weise
in Wahrheit
indessen
infolgedessen
insbesondere
inzwischen
irgend*
irgendein
irgendjemand
irgendwann
irgendwie
irgendwo

J

ja
je
jede
jedenfalls
jedoch
jemals

K

kaum*
keinesfalls
keineswegs

L

längst
lediglich
leider
letzten Endes
letztendlich
letztlich

M

mal
man könnte sagen
manchmal
maßgeblich
mehr oder weniger
mehrere
mehrfach
meines Erachtens
meinetwegen
meist
meistens
meistenteils
mindestens
mithin
mitunter
möglicherweise
möglichst
mutmaßlich

N

nachhaltig
nämlich
naturgemäß
natürlich
neuerdings
neuerlich
neulich
nicht wahr
nichtsdestotrotz
nichtsdestoweniger
nie
niemals
normalerweise
nun
nur

O

offenbar
offenkundig
offensichtlich
oft
ohne Umschweife
ohne weiteres
ohne Zweifel*
ohnedies

P

partout
plötzlich
praktisch

Q

quasi

R

recht
regelrecht
reichlich
reiflich
relativ
restlos
richtiggehend
ruhig
rundheraus
rundum

S

samt und sonders
sattsam
schlicht
schlichtweg
schließlich
schlussendlich
schon
sehr
selbst
selbstredend
selbstverständlich
selten
seltsamerweise
sicher
sicherlich
so
sogar
sogleich
sonst*
sowieso
sowohl als auch
sozusagen
stellenweise
stets
streng

T

trotzdem

U

umständehalber
unbedingt
unerhört
ungefähr*
ungemein
ungewöhnlich
ungleich
unglücklicherweise
unlängst
unmaßgeblich*
unsagbar
unsäglich
unsinnige
unstreitig
unzweifelhaft
ursprünglich
überaus
überdies
überhaupt
übrigens

V

vergleichsweise
vermutlich
vielfach
vielleicht*
voll
voll und ganz
vollends
völlig
vollkommen
vollständig
von Neuem

W

wahrscheinlich*
weidlich
weitgehend
wenige
wenigstens*
wieder
wieder einmal
wiederum
wirklich
wohl
wohlgemerkt
womöglich

Z

ziemlich
zudem
zugegeben*
zumeist
zusehends
zuweilen
zweifellos
zweifelsfrei
zweifelsohne
Füllwörter
woerter

Wörter bewegen – Nur die Besten erreichen deine Lesenden

Nur die besten Wörter lösen etwas in deinen Lesenden aus

Wörter sind ein Teil meiner Werkzeuge und so ist es auch bei dir. Setzt du diese clever ein, wird dein Text besser. Ungeklärt bleibt, was die «richtigen» und was die «falschen» Wörter sind, wie du sie findest und voneinander unterscheidest. In diesem Beitrag verrate ich es dir!

Die passenden Begriffe lösen etwas in uns aus

Bei den meisten Begriffen haben wir flugs ein Bild vor unserem inneren Auge. Liest du von einem Bike, Drahtesel oder Radl, denkst du an ein Fahrrad. Dir ist auch sofort klar, dass sich alle drei grundlegend voneinander unterscheiden.

Dann gibt es Wörter, die schnurstracks Gefühle bei uns auslösen. Stelle dir folgende Begriffe vor:

  • Behaglichkeit
  • Entspannung
  • Freunde
  • Jubel
  • Kompliment
  • Lachen

Lösen die folgenden Wörter etwas ganz anderes bei dir aus?

  • Ampel
  • Baustelle
  • Stau
  • Stop-and-go
  • Stoßzeit
  • Verkehrsmeldung

Denkst du bei diesen Worten daran, wie du im Stau vorm Gotthard-Tunnel stehst oder wie dich dein Arbeitsweg stresst? Verbindest du eher negative Erlebnisse mit einem Stau oder einer Baustelle? Ich schaffe es nicht, positiv an eine Baustelle oder einen Stau zu denken.

Fakt ist: Wenn du liest, erfasst du emotionale Wörter schneller als neutrale. Dabei ist es egal, ob diese für dich positiv oder negativ sind. Ein flüchtiger Blick reicht aus, damit deine Leser sich diese merken.

Verben – Wörter mit Superkräften!

Verben sind die stärksten Wörter, die es gibt. Nur ein Verb beschreibt eine Situation und zieht deine Lesenden in den Bann: Bersten, flüstern, schreien, sieden, sprießen, zerschellen … Du merkst es sofort, oder?

Schau mal hier:

«Hör sofort auf damit!», sagt Sandra laut. 

«Hör sofort auf damit!», brüllt Sandra.

Wörter mit Superkräften, die es bisher noch nicht gab

Die deutsche Sprache bietet dir mehr Optionen als Verben. Ich bin fasziniert von neuen Wortschöpfungen, also Wörter, die es bislang nicht gab. Damit sind keine Werbe-Slogans oder Claims gemeint. Pass auf, ich zeige dir, was ich meine.

1. Patrick Karpiczenko [aka Karpi]

Autor, Regisseur, Komiker | Co-Regie #SRFAdventAdvent | schreibt #karpipedia für @NZZaS | G&G Jahresrückblick | jaja Satire jaja Kunst. Das schreibt Patrick Karpiczenko über sich auf Twitter (https://twitter.com/karpi). Neben lustigen Tweets gibt es regelmäßig Wortschöpfungen und Beispiele, wie du diese verwendest.

Unter https://nzzas.nzz.ch/notizen/die-wortschoepfungen-aus-der-karpipedia-ld.1571323 findest du die Karpipedia. Eine Sammlung seiner Wortschöpfungen. Hier zwei Beispiele:

Machokreis, der
[Ma|cho|kreis]

Zentrum des Machokreises wird grilliert, gebaut oder gekämpft. Das stehen im Machokreis ist eine rituelle Handlung und kann für die Beteiligten einen hypnotischen Sog entwickeln. Nicht erwünscht im Machokreis sind Frauen, Kinder oder mehrselbige Wörter.

Beispiel: [1] „auf der Dachterrasse hat sich um die Feuerschale ein Machokreis gebildet. Es wurde plötzlich still." [2] „Innert Kürze bildete sich um die bruchgelandeten Drohne ein Machokreis."

Kleiner Hinweis für Deutsche: grillieren = grillen, innert Kürze = innerhalb kurzer Zeit.

Quelle: https://nzzas.nzz.ch/notizen/die-wortschoepfungen-aus-der-karpipedia-ld.1571323

verben

pegelshoppen (Verb)
[pe|gel|shop|pen]

Shopping betreiben in kleinen, aber regelmässigen Dosen. Der Pegelshopper oder die Pegelshopperin ist bestrebt, den Konsumrausch möglichst aufrechtzuerhalten, um Entzugserscheinungen zu verhindern und die Wirtschaft in Schwung zu halten.

Beispiel: „Ich pegelshoppe, um Langeweile und Selbstzweifel vorzubeugen. Ich schoppe, also bin ich.“

2. Judith Peters [Texterin und Bloggerin]

Auf Judiths Blog findet ihr wöchentlich ein neues Wort. Anschauen lohnt sich, denn dort entdeckt ihr coole Ideen wie:

„Rotzphase – Phase bei Kleinkindern bei der die Nase hartnäckig läuft und das Kind großen Widerstand gegen das Naseputzen leistet. Manchmal wird die Rotzphase auch von heftigen Rotzanfällen begleitet, v.a. im Herbst, Winter und Frühling, und bei einem Sommerschnupfen auch im Sommer – also eigentlich fast immer.“

Egal wie und mit welchen Verben. Wenn deine Texte mehr Pep und Schwung brauchen, dann helfe ich dir gern mit einem Textcoaching. Also, melde dich!

phrasen

Sogar mit Phrasen: Wie du Leser garantiert erreichst und dein Text in 3 leichten Schritten hängen bleibt.

Sogar mit Phrasen: Wie du Leser garantiert erreichst und dein Text in 3 leichten Schritten hängen bleibt.

Du weißt es schon: Ich bin kein Fan von Floskeln, Modewörtern und Phrasen. Sie sind auswechselbar und blähen deinen Text auf. Das Geschriebene ist unverständlich und beim Leser bleibt nichts hängen. Daher empfehle ich, diese wegzulassen oder sie strukturiert zu löschen.

Mein Blog liefert dir regelmäßig Tipps und Tricks, wie du dies am besten machst. Diese helfen dir, Adjektive und Adverbien zu löschen, den Nominalstil zu vermeiden und schützen dich gegen die Substantivits. Kurzum: Du lernst, besser zu schreiben.

Halt dich fest, jetzt kommt es knüppeldick! Heute zeige ich dir, wie du Phrasen bewusst nutzt, damit deine Leser über den Text nachdenken und sich diesen merken. Jetzt fragst du dich bestimmt: „Ich soll genau das tun, vor dem du mich immer warnst?“

Ja, genau das ist der Fall! Phrasen sind immer dann ein mächtiges Instrument, wenn du sie strukturiert verwendest. Du transportierst deine Nachricht mit ihrer Hilfe glaubhaft und stellst sicher, dass sie lange im Gedächtnis bleibt.

Wieso du mit Phrasen bestenfalls einen Goldrahmen verdienst.

Viele Schreibende verfassen ihre Texte zu kompliziert. Oft drängt sich mir der Eindruck auf: Sie tun dies, um als gebildet zu gelten. Diese Zeiten sind vorbei. Leser erwarten, dass du klar, verständlich und ohne verbales Tamtam schreibst.

George Orwell formulierte es so:

„... [viele Texte bestünden] weniger aus Wörtern, die wegen ihrer Bedeutung ausgewählt wurden, sondern immer mehr aus Phrasen, die zusammengetackert werden wie ein vorgefertigter Hühnerstall.“

Redewendungen sind Phrasen. Regelmäßig lese ich von „der Spitze des Eisbergs“, Produkte „sind nicht mehr wegzudenken“ oder Häuser „schießen wie Pilze aus dem Boden“. Nein, nicht alles, was hinkt, ist ein Vergleich.

Merk dir einfach eins: Wer unkonkret schreibt, hat im besten Fall einen hübschen Text für die Website oder für einen goldenen Rahmen am Empfang. Mehr aber nicht.

phrasen

So geht es richtig: Phrasen gezielt nutzen, um deine Leser zum Denken zu animieren.

Liest du schon meine Artikel und Beiträge? Ist dies der Fall, wird dich dieser Abschnitt umhauen. Denn gleich erfährst du, wie du Phrasen gezielt nutzt, damit die Leser über deinen Text nachdenken.

Dafür gehst du in drei Schritten vor, welche auf der Abstraktionsleiter* basieren und sich täglich bewähren. Deine Leser erinnern sich an den Text und erzählen die Geschichte weiter.

  1. 1
    Schritt: Stell eine abstrakte Behauptung auf.
  2. 2
    Schritt: Begründe diese konkret.
  3. 3
    Schritt: Liefere ein anschauliches Beispiel.

* Die Abstraktionsleiter (Samuel Hayakawa, 1939) ist ein simpler Ansatz, um Texte für den Verstand und den Bauch zu schreiben. Leser merken sich Botschaften leichter.

Ein Beispiel aus der Praxis – so machst du es richtig!

Am besten erkläre ich dir das Vorgehen mehr im Detail. Dafür nutze ich gern einen Car-Sharing-Anbieter, der behauptet:

„Carsharing ist ein innovatives Verkehrskonzept für Großstädte.“

So weit, so gut. Eine Phrase, die wir täglich hören und uns kaum noch erreicht. Was ist heute nicht dynamisch, innovativ oder nachhaltig? Jetzt folgen konkrete Argumente:

„Die Nutzer können die Autos per Smartphone-App finden und öffnen. Meist ist ein Auto weniger als fünf Fußminute entfernt. Es gibt keine Zündschlüssel, sondern einen Start-Knopf. Das Auto kann an einem beliebigen Parkplatz im Geschäftsgebiet abgestellt und per App verschlossen werden. Die Wagen sind im Schnitt 13 Stunden am Tag unterwegs.“

Abschließend ein anschauliches Beispiel, das Emotionen weckt, sodass sich die Leser besser an den Text erinnern:

„Viele Nutzer machen immer wieder die Erfahrung: Sie parken vor einem Café und setzten sich auf die Terrasse. Bevor sie ihren Cappuccino haben, ist das Auto schon wieder weg.“

Der Text zeigt klar, dass „Innovation“ keine Phrase ist. Noch besser wäre es, wenn der Leser, ohne das Wort „Innovativ“ zu nutzen, selbst darauf kommt und sagt: „Ker, watt is datt wieder sowas von innovativ!“

Merke dir Folgendes: Nutzt du Phrasen, argumentiere überzeugend und suche ein leicht zu merkendes Beispiel. Damit erreicht dein Text sprachlich und inhaltlich ein höheres Niveau.

Fällt dir partout nichts ein, gibt es dafür oft einen Grund: Das Produkt, über das du nachdenkst, ist nicht „dynamisch“, „innovativ“ oder „nachhaltig“. Aber das ist nicht schlimm. Meist reicht es den Kunden, wenn es gut ist.

gegenteil-check

Der Gegenteil-Check: Überflüssige Adjektive und Adverbien effizient in einem Schritt löschen.

Der Gegenteil-Check: Überflüssige Adjektive und Adverbien effizient in einem Schritt löschen.

Ein Text ist nur dann kraftvoll, wenn er knapp und prägnant ist. Dies schreiben Strunk und White im Klassiker der amerikanischen Stillehre „Elements of Style“ (1959).

„Ein Satz sollte keine unnötigen Wörter haben, ein Absatz keine unnötigen Sätze – aus dem selben Grund, warum eine Zeichnung keinen unnötigen Strich haben sollte und eine Maschine kein unnötiges Teil.“

Und jetzt aufgepasst: Das bedeutet nicht, dass du auf Teufel komm raus alle Sätze kurzhalten und auf Details verzichtest. Gemeint ist, dass jedes Wort die Pflicht hat, etwas zu sagen.

Vor allem Adjektive wecken bei mir Argwohn. Gehe aus diesem Grund kritisch mit ihnen um, ohne sie zu verteufeln. Mark Twain schrieb:

„Wenn du ein Adjektiv triffst, bringe es um. Nein, ich meine nicht alle Adjektive, aber töte die meisten – umso wertvoller werden die übrigen sein.“

So überprüfst du deine Texte kinderleicht.

Beim Schreiben vermeide ich Adjektive konsequent. Schleicht sich eins ein, überprüfe ich dies mit dem Gegenteil-Check. Ich ersetze es bewusst durch das Gegenteil und teste, ob die Aussage weiterhin Sinn macht.

Wie gewohnt gehe ich dabei strukturiert vor. Ist die Aussage sinnvoll, behalte ich das Adjektiv. Ist die Aussage sinnlos, ist das Adjektiv sinnlos. Ich lösche es.

Am besten demonstriere ich dir die Technik an zwei Positiv- und Negativbeispielen:

  • Interessierte Mitarbeitenden haben sich für die Fortbildung angemeldet.
  • In einer kommunalen Initiative heißt es: „[...] der urbane Schulbusverkehr sei ungenügend.“

In beiden Fällen bestehen die Adjektive den Check. Sie unterscheiden die interessierte von desinteressierten Mitarbeitenden und den urbanen vom ländlichen Schulbusverkehr.

  • Auf der Website eines Unternehmens zum eigenen Messeauftritt heißt es: „Die interessierten Besucher waren von unserer Heiztechnik beeindruckt".
  • In dem Text auf der Website eines Architektur-Büros steht: „[...] urbane Ballungsräume stellen eine besondere Herausforderung dar."

Und jetzt meine Fragen. Ist es möglich, desinteressierte Besucher von Heiztechnik zu beeindrucken? Inwiefern stellen ländliche Ballungsräume eine Herausforderung dar? Merkst du was? Die Adjektive „interessiert“ und „urban“ löschst du sofort. Aber zackig!

Wie der tägliche Sprachgebrauch deinen Schreibstil beeinflusst.

Oft erkennst du nicht, ob ein Adjektiv sinnvoll oder sinnlos ist. Der Grund hierfür ist der tägliche Sprachgebrauch. Viele Kombinationen haben sich etabliert und die Nutz- und Sinnlosigkeit fällt dir nicht mehr auf.

  • Menschen haben „feste" Überzeugungen (wären sie nicht fest, wären es keine Überzeugung).
  • Schüler stehen vor „gestellten“ Aufgaben.
  • Wir bedanken uns für das „entgegengebrachte“ Vertrauen.
  • Politiker sprechen von „entstandenen“ Kosten, „getroffenen“ Vereinbarungen und „vorgebrachten“ Einwänden.
  • Es gibt „nähere“ Einzelheiten, eine „bleibende“ Erinnerung und „vollendete“ Tatsachen.

Fliegen liebe ich das Sitzen bis zur „endgültigen“ Parkposition. Keines dieser Adjektive fügt dem Substantiv etwas hinzu. Löschen!

Es ist kompliziert - Adverbien gekonnt löschen

Bei Adverbien ist es nicht anders. Oft lese ich, jemand habe eine Prüfung „erfolgreich“ bestanden (in meinem LinkedIn-Feed lese ich sowas fast täglich), Kollegen beteiligen sich „aktiv“ an Projekten und Manager treffen „gezielte“ Maßnahmen – vermutlich, weil ihre sonstigen Maßnahmen ungezielt sind.

gegenteil-check

Wie bei den Adjektiven gilt es, nicht jedes Adverb zu verteufeln. Hier hilft dir ebenfalls der Gegenteil-Check. Aber denk stets daran, dass du manche Kombinationen nutzen musst, da du sonst deine Leser verwirrst. Schau dir meine Beispiele an, dann verstehst du kinderleicht, was ich meine.

Beispiel 1

Folgst du dem Gegenteil-Check, dann ist es nicht erlaubt, eine „gute Besserung“ zu wünschen. Denn eine schlechte Besserung gibt es nicht. Verabschiedest du dich beim nächsten Krankenbesuch mit „Besserung“, wäre dies sprachlich korrekt. Ob der Patient ebendies schätzt, ist fraglich.

Beispiel 2

Die Standard Abschiedsformel „mit freundlichen Grüßen“ ist sprachlich ungelenk, hat sich im täglichen Sprachgebrauch aber etabliert. Kannst du dir vorstellen, unfreundlich zu grüßen? Schreibst du „mit Grüßen“, wäre das korrekt. Aber der Leser würde vermutlich andere Schlüsse ziehen.

Ich frage mich ohnehin, warum Grüße immer im Plural formuliert werden. Reicht nicht ein einzelner Gruß? Streiche ich das „mit“ am Ende, so erkennt der Lesende, dass ich ihn „mit“schicke. Streichen wir das „mit“, sind wir fertig.

Übrig bleibt „Gruß“. Das ist sprachlich korrekt, aber nicht freundlich. (Wobei ich mich in letzter Zeit oft dabei ertappe, „Gru(e)ss“ zu schreiben. Beschwert hat sich bisher niemand.)

Wie du deinen Texten mehr Pep und Schwung verleihst und besser schreibst, verrate ich dir gern in einem Textcoaching. Also, melde dich!

amtsdeutsch

Stimmungskiller Amtsdeutsch – wie du deine Texte sofort attraktiver machst

Gestern Abend: Post aus dem Briefkasten holen, Briefe öffnen und querlesen. Wie erwartet – Werbung mit Produkten, die ich definitiv brauche. Eines der Schreiben erregt Aufmerksamkeit. Ja, es macht Sinn.

Doch dann verpufft mein Interesse schlagartig: „Für ein Gespräch stehen wir gerne zur Verfügung.“ Amtsdeutsch!

Schrecklich! Eine Floskel, die kaum langweiliger sein könnte! Tausendfach gelesen. Dabei ist dies der wichtigste Satz in einem Kundenanschreiben! Der Kunde soll sich doch melden.

Eine einzelne Formulierung entscheidet über Erfolg oder Misserfolg. Egal, wen du anschreibst: Die SPRACHE macht den Unterschied!

Ein paar unbedachte Wörter und deine Botschaften gehen unter, selbst wenn du fulminant startest. Schau mal:

bright author guy 200

John Doe

Lieber Björn


Eine gute Nachricht für dich: Die neue John Doe Frühlings-Kollektion ist ab sofort bestellbar! Denke bereits jetzt an die warmen Tage, die uns bevorstehen.


Schau direkt in unseren Online-Shop und erledige deine Einkäufe entspannt von zu Hause aus. Ohne lästiges Anstehen in überfüllten Geschäften, sondern kinderleicht per Mausklick. Und das Beste: Wenn Du bis zum [Datum] bestellst, gibt es für dich einen Rabatt von [Zahl]%! Wir freuen uns auf deinen Wunschzettel.

Damit der Bestellvorgang reibungslos abgewickelt werden kann, gib deine Kundennummer an oder gib alternativ deine Bestellung als Gast auf. Bei fristgerechter Bestellung wird der Rabatt direkt vom Kaufpreis abgezogen.


Stylische Grüsse

 

Echt jetzt? Der Text ist eingangs ansprechend und lebendig, endet dann ärgerlicherweise im Amtsdeutsch, obwohl der Kunde sogar geduzt wird: Klarer Fall von Substantivitis („Bestellvorgang“, „fristgerechter Bestellung“) und Passivkonstrukten („abgewickelt werden kann“, „wird ... abgezogen“). Grauenhaft!

Belehrender und distanzierter zu kommunizieren ist fast unmöglich. Der Impuls, etwas zu bestellen, verraucht schlagartig. Amtsdeutsch halt.

Was hältst du davon?

bright author guy 200

John Doe

Lieber Björn


...


Wenn du bestellst, gib bitte deine Kundennummer an. Selbstverständlich kannst du auch als Gast bestellen. Den Frühbesteller-Rabatt ziehen wir für dich direkt vom Kaufpreis ab.


Stylische Grüsse

 

Schon besser, nicht wahr?

Hier ein paar Ideen, wie Du täglich ein Stück besser schreibst.

Du siehst: Dein Schreibstil entscheidet über Erfolg oder Misserfolg! Dies gilt auch für den Büroalltag. Schreib aktiv, konkret und kurz!


killerfloskeln

7 Floskeln, von denen du besser die Finger lässt

„Ich bitte um Kenntnisnahme.“ Wer kennt diese Floskel nicht? Etwas Überflüssigeres kann man kaum in einem Brief oder einer E-Mail schreiben.

Bin ich es meinem Gegenüber nicht wert, einen persönlichen und individuellen Satz zu formulieren? Denn Floskeln sind austauschbar, pauschal und oberflächlich. 
 
Ich präsentiere dir gleich 7 Floskeln und eine Möglichkeit, diese ein für alle Mal aus Deinem Wortschatz zu verbannen.

7 Floskeln, von denen du besser die Finger lässt

1

"Ich bitte um Kenntnisnahme."

Für mich persönlich die schlimmste Floskel. Ein typischer Zeitfresser: erst beim Schreiben und dann beim Lesen.

So ist es besser: Weglassen, denn, wenn der Satz gelesen wird, hat man den Brief oder das E-Mail „zur Kenntnis“ genommen.

2

"Danke für Ihre Aufmerksamkeit."

Wer kennt diesen Satz nicht? Typischerweise findet man ihn am Ende eines Vortrags oder einer Präsentation. Dabei ist es so: Man darf um Aufmerksamkeit bitten – aber dies ist ebenfalls herrlich einfallslos.

Besser: Das waren viele passende Ideen, setzen wir diese ab sofort gemeinsam um!

3

"Wir erlauben uns, Ihnen..."

Wenn sich jemand etwas ungefragt erlaubt, dann überschreitet er für mich eine Grenze. Drängt er mir seinen Willen auf?
Deshalb ergibt diese Floskel für mich inhaltlich keinen Sinn. Entweder fragt man um Erlaubnis oder man lässt es. Von daher ist der oft verwendete Satz «Wir erlauben uns, Ihnen unser Honorar in Rechnung zu stellen.» Müll! Der Job ist erledigt, warum «erlaubt» man sich dann, eine Rechnung dafür auszustellen?

Deshalb: weglassen!

4

"In diesem Zusammenhang teilen wir Ihnen mit, dass ..."

Die erste Frage, die mir dabei in den Kopf kommt: „In welchem Zusammenhang denn sonst?“

Besser so: «Bitte prüfen Sie die Unterlagen. Beachten Sie, dass wir die Kündigungsfrist verlängert haben.»

5

"Ich wäre Ihnen sehr verbunden, wenn..."

Für mich hat verbunden eine emotionale Bedeutung. Man verbindet sich in der Ehe, ist einem Freund eng verbunden, mit einem Wort oder Bild verbindet man etwas oder irgendetwas ist mit Ärger verbunden.
Vor langer Zeit meinte man mit «jemandem verbunden sein», dass man ihm zu Dankbarkeit verpflichtet ist. Im Zeitalter von Instant Messaging und E-Mails ist so ein Gesülze überflüssig.

Besser: «Ich bin Ihnen dankbar, wenn Sie …»

6

"Bezug nehmen auf Ihr Schreiben vom..."

Dieser Einstieg stammt aus der Zeit, in der in den Amtsstuben am Stehpult mit Feder und Tinte geschrieben wurde. Die digitale Evolution hat diese Floskel bis heute nicht ausgerottet. Da fragt man sich, ob dies an den Beschäftigten in den Ämtern liegt, die neuerdings digital kommunizieren.

Besser: weglassen!


Wenn es trotzdem sein muss: «Vielen Dank für Ihr Schreiben vom …», «Sie haben mir am 1. Oktober 2020 mitgeteilt, dass …» oder «In Ihrem Angebot vom 13. April 2013 fehlen die Versandkosten.»

7

"Beiliegend sende ich Ihnen die gewünschten Dokumente."

Was der Empfänger sieht, muss man nicht schreiben. Er kann den Katalog nicht übersehen und entdeckt diesen vor dem Anschreiben. Dies gilt auch für den E-Mailanhang. «Angehängt» oder «Anbei» sind unnötig und bürokratisch.

Besser: «Wir senden Ihnen die gewünschten Unterlagen.» Oder «Unser Katalog zeigt Ihnen unsere neue Kollektion – farbig, inspirierend und voll im Trend!»

Hier findest du noch mehr Floskeln. Wenn du wissen willst, wie du diese Floskeln vermeidest, dann melde dich bei mir für ein Textcoaching!